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Stellungnahme der Lehrerschaft/Schulleitung zum künftigen Oberstufenmodell in Kappelen

 

Unsere Wahlempfehlung:

 

Wir machen uns stark für eine künftige Schule Kappelen mit integrierter Real- und Sekundarschule !

 

Deshalb empfehlen wir die Annahme der Änderungen des Art. 3 Abs. 1-3 (Zweck) und Art. 56 Abs. 2bis und 2ter (Austritt) des Organisationsreglements des Schulverbands Aarberg gemäss Vorlage der Delegiertenversammlung vom 5. März 2020 und gleichzeitig den Austritt aus dem Schulverband Aarberg.

Liebe Stimmberechtigte

 

Die Gemeinden im Schulverband Aarberg machten sich in den letzten Monaten intensive Gedanken zur Weiterentwicklung der Oberstufen im Verbandsgebiet. Dies begrüssen wir sehr. Dabei ein durchlässiges Modell anzustreben, macht aus pädagogischer Sicht Sinn und ist auch ein gesellschaftliches Bedürfnis.

Die Wahl des künftigen Oberstufenmodells hat langfristige Auswirkungen auf die Schule und damit auch auf die Gemeinde. Die Lehrerschaft und die Schulleitung sprechen sich dabei klar für ein Modell aus, welches Klassen der Sekundarstufe I (7. – 9. Klasse) in Kappelen vorsieht:

  • Wir sind überzeugt davon, dass eine altersdurchmischte Organisationsform vor allem die sozialen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler positiv beeinflusst. Demgegenüber ist eine Verschlechterung der Fachkompetenz aus wissenschaftlicher Sicht nicht feststellbar. Stichworte: Verantwortung übernehmen, Teamfähigkeit, Selbstständigkeit, Erfolgserlebnisse
  • Eine kleine, dynamische Schule kann schneller auf Veränderungen reagieren und sich den gesellschaftlichen Bildungsanforderungen besser anpassen.
  • Wir haben ein bestehendes Team, welches Erfahrung im Umgang mit Mehrjahrgangsklassen hat und die Vorteile dieses Modells bewusst einzusetzen vermag. Ebenso sind wir überzeugt davon, durch kluge Personalrekrutierung auch den Ansprüchen des Sekundarniveaus gerecht zu werden.
  • Wir positionieren uns auf dem Arbeitsmarkt als innovative, selbstständige, kleine Schule. Dies kann ein Vorteil bei der Suche nach qualifizierten Lehrpersonen sein. Demgegenüber steht ein Oberstufenzentrum Aarberg mit rund 350 Schülerinnen und Schülern und einem entsprechend grossen Lehrkörper.
  • Kappelen als Gemeinde gewinnt an Attraktivität, da das gesamte Bildungsangebot der obligatorischen Volksschule vor Ort angeboten wird.
  • Die Identifikation der Schülerinnen und Schüler mit der Gemeinde wird verbessert. Peergroups und längerdauernde Freundschaften entwickeln sich insbesondere in dieser Zeit.
  • Die Auslagerung der Sekundarstufe I nach Aarberg hat auch einen Qualitätsverlust auf der Kindergarten- und Primarstufe zur Folge.

 

Die Klassenstruktur auf der Vorschul- und Primarstufe ist seit längerer Zeit unbefriedigend. Durch die schwankenden Schülerzahlen ändert sich die Klassenorganisation jährlich. Ausgeglichene Klassengrössen können nicht immer realisiert werden, häufige Wechsel der Klassenlehrperson müssen aus strukturellen Gründen hingenommen werden. Eine Mehrjahresplanung ist nur schwer möglich und die Lehrpersonen haben jährliche Pensenänderungen hinzunehmen. Gute Lehrpersonen mussten in den letzten Jahren die Schule aufgrund wegfallender Lektionen verlassen, Neuanstellungen konnten oft nur befristet erfolgen. Im Hinblick auf das Schuljahr 21/22 hat man deshalb die Klassenorganisation hin zu Mehrjahrgangsklassen angepasst. Künftig werden in Kappelen nebst einer Kindergartenklasse zwei Mehrjahrgangsklassen 1. – 3. Klasse und zwei Mehrjahrgangsklassen 4. – 6. Klasse geführt, unabhängig vom Entscheid zur Organisation der Oberstufe. Damit erreichen wir längerfristige Konstanz hinsichtlich Klassen- und Personalplanung.

Mit dieser Neuausrichtung auf der Primarstufe verfolgt die Schule Kappelen ab nächstem Schuljahr das Konzept des altersdurchmischten Lernens, welches gegenüber den weit verbreiteten Jahrgangsklassen verschiedene Vorteile mit sich bringt. In altersdurchmischten Klassen ist es normal, verschieden zu sein und verschieden zu lernen. Vielfalt schafft Lerngelegenheiten, Disziplinprobleme nehmen in der Regel ab und sind einfacher zu lösen. Denken und Handeln der Lehrpersonen an altersdurchmischten Klassen ist auf Vielfalt ausgelegt, integrativer Unterricht ist einfacher umzusetzen. Es erfolgen Kontakte mit Kindern unterschiedlichen Alters, was für die kognitive und soziale Entwicklung vorteilhaft ist. Kontinuität, Rollenwechsel und zunehmende Verantwortungsübernahme sind weitere Vorteile altersdurchmischter Klassen.

 

Gleichzeitig sind altersdurchmischte Klassen ein wirkungsvoller Motor für Unterrichtsentwicklung. Lehrpersonen werden motiviert, sich von der Klassenstruktur zu lösen und einen lernstandsorientierten und gemeinschaftlichen Unterricht zu entwickeln. Fragen des Lernens, Lehrens und Erziehen stehen im Zentrum. Das Ringen um Konzepte und die gemeinsame Umsetzung im Schulalltag bringen die Schule als Ganzes voran. Solche Schulen sind für engagierte und neugierige Lehrpersonen interessant. Altersdurchmischtes Lernen wird an unserer Realklasse bereits heute umgesetzt und könnte auch mit der Integration des Sekundarschulniveaus weitergeführt werden (Modell Twann).

 

Der Verlust der Realschülerinnen und -schüler dagegen bedeutet auch eine Qualitätseinbusse auf der Primarstufe. Nebst dem Wegfall oder der Neuausrichtung verschiedener gesamtschulischer Anlässe (Skilager, Schulschlussfest, Maibummel, Sporttag) hat der Verlust einer Klasse auch direkten Einfluss auf die Pensen. So würden Schulleitungspensum und auch Administrativprozente (ICT, Werkraumbetreuung, Bibliotheksbetreuung, Sportmaterialbetreuung, Lehrmittelbetreuung) gekürzt, wobei viele dieser Tätigkeiten eigentlich gleichbleibenden oder nur geringfügig reduzierten Aufwand erfordern. Oberstufenlehrkräfte, welche zusätzlich auf der Primarstufe unterrichten, müssten ersetzt werden. Einzelne Pensen werden deutlich kleiner und damit weniger attraktiv (IF, TTG textil). Der Fachaustausch der Lehrkräfte vor Ort über alle Zyklen (KG bis 9. Klasse) hinweg ist nicht mehr möglich, das Kollegium wird (noch) weiblicher. Eine Optimierung der Schulräumlichkeiten wird bei weniger Schülerinnen und Schülern kaum vorangetrieben. Genau eine gegenteilige Wirkung könnte mit der Integration des Sekundarschulniveaus in Kappelen erzielt werden.

 

Dies ist nur realisierbar mit einer Erweiterung des Schulraumes. Hier besteht erheblicher Spielraum, die Schule spricht sich klar für zeitgemässe Räumlichkeiten und damit gegen eine Minimalvariante aus. Mit der Aufnahme der Sekundarschülerinnen und -schüler in Kappelen hätte man die einmalige Gelegenheit, entsprechende bauliche Massnahmen in die Wege zu leiten, um hier eine verbesserte Situation zu schaffen. Dies wäre auch ein erheblicher Gewinn für den KG bis 6. Klasse (Tagesschule, zusätzliche Klassenräume, Arbeitsräume Lehrpersonen, verbesserte Räumlichkeiten Abwartspersonal).

 

Mit einem Austritt aus dem Schulverband werden auch die IBEM-Verträge (Integration und besondere Massnahmen, bspw. KbF, EKD, Logo, Psychomotorik) aufgelöst. Hier sind sowohl eine Weiterführung im Schulverband auf Vertragsbasis als auch eine Integration dieser Lektionen in die Schulräumlichkeiten von Kappelen denkbar.

 

Eine künftige Schule Kappelen mit integrierter Sekundarstufe I wäre damit

  • eine inklusive, altersdurchmischte Schule, welche das gesamte Bildungsangebot der obligatorischen Volksschule anbietet.
  • klein, innovativ, dynamisch und damit ein in der Gemeinde verwurzelter, attraktiver Arbeitsort.
  • betreffend Infrastruktur hervorragend aufgestellt für die nächsten Jahrzehnte mit Kapazitäten, um allenfalls eine zusätzliche Oberstufenklasse aus umliegenden Gemeinden aufnehmen zu können.

 

In diesem Sinne empfehlen wir die Annahme der Änderungen des Art. 3 Abs. 1-3 (Zweck) und Art. 56 Abs. 2bis und 2ter (Austritt) des Organisationsreglements des Schulverbands Aarberg gemäss Vorlage der Delegiertenversammlung vom 5. März 2020 und gleichzeitig den Austritt aus dem Schulverband Aarberg.

 

Schulleitung und Lehrerschaft Schule Kappelen

 

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